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Das Double ist perfekt

Das Double ist perfekt

Mittwoch, 19. April 1989, 21.05 Uhr – Grenzenloser Jubel von mehr als 5.000 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften Oberfrankenhalle. Steiner Bayreuth hat das Unmögliche geschafft und das Double 1988/89 gewonnen. Nach einem 0 : 2 – Rückstand in der Serie Best of Five konnte das Team von Headcoach Lester Habegger und Kapitän Michael Koch das Blatt noch wenden und erstmals den Deutschen Meistertitel nach Bayreuth holen. Knapp 14 Tage vorher hatte man bereits das Finale um den Deutschen Basketball-Pokal für sich entscheiden können.

Nach dem Pokalsieg trafen die beiden damals besten deutschen Vereinsmannschaften erneut aufeinander. Der Weg von Bayreuth ins Finale führte über die Mannschaften des MTV Gießen und des BSC Saturn Köln, welche ohne Niederlage bezwungen werden konnten. Leverkusen war im Play-Off-Viertel- bzw. Halbfinale gegen die BG Ludwigsburg und den DTV Charlottenburg erfolgreich.

Im ersten Aufeinandertreffen der beiden großen Rivalen in der Bayreuther Oberfrankenhalle erlebte der frisch gebackene Pokalsieger Steiner Bayreuth eine herbe Enttäuschung. Statt eines sicher eingeplanten Heimsieges verlor das Team gegen die Riesen vom Rhein nach hektischem Spielverlauf und drei vergebenen Wurfchancen in der Schlussminute knapp mit 66 : 67. Ein Ergebnis übrigens, das sich fast auf den Tag genau 20 Jahre später in einem entscheidenden Spiel des BBC Bayreuth um den Aufstieg in die BBL gegen Phoenix Hagen wiederholen sollte.

Im Rückspiel in Leverkusen fanden die Bayreuther erneut kein Mittel gegen die Leverkusener Abwehr und scheiterten auch im zweiten Play-off-Finale mit 57 : 68. Innerhalb von nur zwei Tagen wurde das von vielen als Meisterschaftsanwärter favorisierte Team von Steiner Bayreuth zum Außenseiter, denn in der Serie Best of Five stand es plötzlich 2 : 0 für Leverkusen.

Eine weitere Heimniederlage im dritten Aufeinandertreffen hätte das vorzeitige Aus im Kampf um die Meisterschaft bedeutet. Und so hatten die Leverkusener den Sekt für die vermeintlich bevorstehende Meisterschaftsfeier schon einmal kalt gestellt. Aufgrund einer deutlichen Steigerung der Mannschaftsleistung des Steiner-Teams gegenüber den ersten beiden Spielen wurde jedoch ein viertes Spiel um die Deutsche Meisterschaft erzwungen. Nach einer hektischen und kampfbetonten Partie in der brodelnden Oberfrankenhalle stand es am Ende verdient 83 : 75 für Koch, Dukes, Oldham und Co.

Nach einer beispiellosen Nervenschlacht im vierten Aufeinandertreffen gegen Bayer Leverkusen gelang den Bayreuthern nach Calvin Oldhams Siegkorb 15 Sekunden vor Schluss zum 79 : 76 der 2 : 2 -Gleichstand in der Serie Best of Five. In der vor allem in der Schlussphase äußerst dramatischen Partie behielten die Bayreuther aufgrund ihrer kämpferischen Qualitäten und ihrer Abgeklärtheit die Oberhand und erzwangen so ein alles entscheidendes fünftes Spiel vor heimischer Kulisse. Das Basketballfieber in Bayreuth war auf dem Höhepunkt angekommen.

Dieses fünfte Finalspiel war wie die vorangegangenen Begegnungen ebenfalls nichts für schwache Nerven. Die mit großem Schwung gestarteten Leverkusener  führten in der 10. Minute bereits mit 13 Punkten, ehe Michael Koch unter anderem mit vier Dreiern eine fantastische Aufholjagd startete. Nach knapper Führung zur Halbzeit (52 : 48)  konnte der Vorsprung kontinuierlich ausgebaut werden. Zwischen der 30. und 36. Minute kam Leverkusen jedoch noch mal ins Spiel zurück und verkürzte auf  77 : 78. Aufgrund einer kämpferischen Gesamtleistung des Bayreuther Teams gelang den Riesen vom Rhein in den letzten 4.45 Minuten kein Korberfolg mehr. Zwei Punkte von Buzz Harnett per Tip-in und ein Dreier von Calvin Oldham kurz vor Ende des Spiels zum 83 : 77 – Endstand verwandelten die Oberfrankenhalle in ein wahres Tollhaus.

In den fünf Finalspielen gegen Leverkusen erzielte Bayreuth insgesamt 368 Punkte. Erfolgreichster Werfer war mit 72 Punkten Calvin Oldham vor Michael Koch und Anthony Reuss mit jeweils 61 Punkten. Bo Dukes erzielte 57 Punkte, Bertram Koch steuerte 46 Punkte bei. Das Ergebnis wird komplettiert durch weitere Punkte von Jacek Duda (28), Buzz Harnett (27) und Uwe Sauer (16). Die nur geringen Spielzeiten von Hartmut Ortmann blieben ohne Korberfolg. Nicht eingesetzt wurde Rolf Koch. Die zum Mannschaftskader der Saison 1988/89 gehörenden Youngster Dirk Vogel, Michael Brozek und Reiner Koch waren in den Finalspielen nicht aufgeboten.


Der Gewinn des Doubles 1988/89 war der glänzende Höhepunkt in der bisherigen mehr als 30jährigen Bayreuther Basketballgeschichte.

20 Jahre nach dem Gewinn der Deutscher Meisterschaft und des Pokals und 10 Jahre nach Gründung des BBC Bayreuth klopft der Bayreuther Basketball wieder ans Tor der obersten deutschen Spielklasse.

Bayreuth als eine Hochburg des Basketballs in Deutschland mit einem solide geführten Verein, einem professionellen Umfeld und seinen fantastischen Fans, die zu tausenden in die Oberfrankenhalle strömen, möchte endlich wieder dorthin, wo es hingehört – in die Basketball-Bundesliga!

Text:  Dr. Peter-Michael Habermann




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