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US-Boys in Bayreuth

US-Boys im Bayreuther Dress


US-Amerikaner auf der Ausländerposition haben in der Geschichte des Bayreuther Basketballs von jeher eine bedeutende Rolle gespielt. Sie sind und waren die dominierenden Akteure auf dem Parkett. Als athletische und technisch versierte Führungsspieler sorgen sie für einen geordneten und mannschaftsdienlichen Spielaufbau und setzen spielerische Akzente im Angriff und in der Verteidigung.  In kritischen und spielentscheidenden Momenten sind sie in der Lage die notwendige Verantwortung zu übernehmen und durch „big points“ ihre Treffsicherheit zu unterstreichen. Darüber hinaus glänzen sie als Ballzauberer mit spektakulären Aktionen. Die Tagesform eines US-Boys entscheidet oft über Sieg oder Niederlage.

Bekanntermaßen gibt es Basketball spielende Amerikaner wie Sand am Meer. Die Kunst besteht vielmehr darin, das „richtige Sandkorn“ zu finden, welches sich optimal in ein Mannschaftsgefüge integrieren lässt. Rückblickend betrachtet hatten die Verantwortlichen meistens ein „glückliches Händchen“. Einige der verpflichteten Amerikaner erwiesen sich sogar als wahre Volltreffer, welche lange Zeit das Bayreuther Basketballgeschehen dominierten und dabei eine wahre Euphorie in der Region auslösten. Nicht zuletzt auch dank dieser Spielerpersönlichkeiten konnte Bayreuth drei deutsche Titel gewinnen und mehrere Finalspiele in der Bundesliga und im Pokal bestreiten. Auch auf europäischem Parkett gab es dank der Spielstärke mancher US-Boys und ihrer oft mit deutschem Pass ausgestatteten oder als EU-Ausländer spielberechtigten Landsleute viele glanzvolle Momente.

Andere Amerikaner wiederum wurden eher zu tragischen Helden, denn sie versprachen nicht das, was man sich von ihnen erhofft hatte. Und schneller als sie selbst wohl dachten, wurden sie wieder über „den großen Teich“ nach Hause geschickt und durch andere Spieler ersetzt.

In der Bayreuther Basketballgeschichte wurden von 1975/1976 bis 2006/2007 insgesamt 31 Amerikaner auf Ausländerpositionen eingesetzt. War anfangs in der Bundesliga nur ein Amerikaner spielberechtigt, durften ab der Saison 1988/89 bereits zwei Amerikaner bei Pflichtspielen eingesetzt werden. Mittlerweile dürfen in der 1. Bundesliga maximal 9 Amerikaner in einem Team vertreten sein. In der Pro-A-Liga sind immerhin noch bis zu 6 US-Boys zugelassen.

Der erste Amerikaner in den Bayreuther Farben war Wesley Kilgore, ein in Bayreuth stationierter Militärpolizist, der sein Debüt bereits im Oktober 1974 in der Regionalliga gab und maßgeblich mit am Aufstieg des Post SV Bayreuth in die neu geschaffene 2. Bundesliga Süd beteiligt war. Der 1,93 m große Linkshänder stand der Mannschaft aufgrund seiner Versetzung nach Würzburg nicht immer zur Verfügung und wurde in der Saison 1975/76 nur in den ersten Pflichtspielen eingesetzt, bis sein Nachfolger spielberechtigt war.

Dessen Name lautete Jonathan „John“ Chapman, ein erstligaerfahrener Amerikaner, der sich im Laufe der Zeit neben dem noch jungen Georg Kämpf zu einem Führungsspieler und Korbjäger mauserte, welcher maßgeblichen Anteil am Aufstieg und Verbleib in der 1. Bundesliga hatte. Der 1,98 m große Chapman imponierte in Angriff und Verteidigung und erfreute durch gekonnte Einzelaktionen sowie sein mannschaftsdienliches Spiel. Im ersten Jahr in der Bundesliga 1976/77 wurde er sogar Zweitbester der Korbschützenliste. Nach vier Jahren nahm John Chapman als Stütze der erfolgreichen Bundesligamannschaft Abschied von Bayreuth, kehrte aber 1981 als Trainer zurück, wobei er aufgrund von Verletzungssorgen in der Mannschaft sogar zwei Partien als Spieler absolvieren musste. Ende 1981 wurde er nach 17 Pflichtspielen als Headcoach auf dem Trainerstuhl durch Leopold Dejworek ersetzt und kehrte nach Amerika zurück.

Im Sommer 1979 wurde als neuer Amerikaner Richard „Buzz“ Harnett, ein 2.04 m großer, sprungstarker Flügel- und Centerspieler aus Kalifornien, verpflichtet. Gleich in seiner ersten Saison erreichte die Mannschaft des neu gegründeten USC Bayreuth nicht zuletzt auch dank der Spielstärke und Treffsicherheit von Buzz Harnett mit dem siebten Rang die bis dahin beste Platzierung eines Bayreuther Vereins in der Basketball-Bundesliga. Auch in den Folgejahren konnte die Mannschaft sich im oberen Mittelfeld etablieren und erreichte 1982/1983 sogar die Endrunde auf europäischem Parkett.

Das „Abenteuer Korac-Cup“ bedingte jedoch das  „finanzielle Aus“ des USC Bayreuth und Buzz Harnett wechselte notgedrungen zum TSV Bayer 04 Leverkusen. Dort wurde er 1984/1985 als Mannschaftskapitän mit seinem Team erstmals Deutscher Meister.  Gegen seine ehemaligen Mannschaftskameraden, welche nach dem Abstieg des Olympia USC wieder erstarkt in der 2. Liga für Furore sorgten, schied er jedoch aus dem Pokal aus. Der Höhenflug der neu gegründeten BG Steiner-Optik Bayreuth gipfelte im Erreichen des Pokalendspiels 1984/85 und dem sofortigen Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga.

Zwischenzeitlich mit deutschem Pass ausgestattet kehrte Buzz Harnett mit Beginn der Saison 1985/86 wieder in seine „Heimat“ Bayreuth zurück und war in den folgenden Jahren maßgeblich an allen großen Erfolgen der Bayreuther Basketballgeschichte beteiligt. Aufgrund von Hüftproblemen beendete Buzz seine Karriere nach der Meisterschaft und dem Gewinn des Doubles im Sommer 1989. Als das Team von Steiner Bayreuth in der folgenden Saison von Verletzungspech betroffen war, kehrte er jedoch für einige Wochen an seine alte Wirkungsstätte zurück, um in der Mannschaft auszuhelfen. Mit einem Abschiedsspiel wurde das „Bayreuther Basketball-Denkmal“ am 16. August 1992 würdig verabschiedet.

In den Spielen des Korac-Cup 1979/80 war neben Buzz Harnett ein weiterer Ausländer spielberechtigt. Diese Rolle übernahm Trainer Steven MacMahon in den insgesamt vier Begegnungen gegen Athen und Siena. Aufgrund einer Verletzung von Buzz Harnett im Spiel gegen Heidelberg war der Spielertrainer gezwungen auch in der Bundesliga als Spieler ins Geschehen einzugreifen. Obwohl er eine hervorragende kämpferische Leistung in Abwehr und Angriff bot und mit 36 Punkten einen neuen Saisonrekord aufstellte, verlor die Mannschaft des USC Bayreuth die Begegnung. Enttäuscht und wütend knallte der Spielertrainer im Sportzentrum die Tür zur Dusche zu und quetschte sich dabei das vordere Glied des linken Mittelfingers ab. Der „kurze Finger“ ist trotz der schmerzlichen Erfahrung für den Ex-Coach noch heute die Erinnerung an eine schöne Zeit in Bayreuth.

An der Seite von Buzz Harnett wurde auch 1982/83 im Korac-Cup ein weiterer Ausländer eingesetzt. Ralf Paspal, ein zwei Meter großer Amerikaner deutscher Abstammung absolvierte mit wechselhafter Leistung und Trefferausbeute 9 von 10 Begegnungen dieses Wettbewerbs.

Für den für zwei Jahre nach Leverkusen gewechselten Buzz Harnett kam zu Beginn der Saison 1983/84 zunächst der ebenfalls aus Kalifornien stammende Curtis Wright, ein bulliger Center, der allerdings die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Er war in seiner Spielanlage so unbeweglich, dass er mit dem Spitznamen „Tree“ versehen wurde. Später stellte sich heraus, dass er stark kurzsichtig war und eine Brille sicherlich für einen besseren Durchblick gesorgt hätte. So wurde er nach nur drei Pflichtspieleinsätzen bereits wieder zurück in die USA geschickt.
 
Als sein Nachfolger wurde ein spindeldürrer Zwei-Meter-Mann mit nur handgelenksdünnen Waden präsentiert, der Bayreuther Basketballgeschichte schreiben sollte: Calvin Oldham. Aggressiv in der Verteidigung unter den Körben und treffsicher im Angriff glänzte er mit spektakulären Dunkings und wurde von den Medien und Zuschauern schon bald als „neuer Stern der Bundesliga“ gefeiert. Trotz eines Saisondurchschnitts von 32 Punkten und überragenden Leistungen konnte jedoch auch er den Abstieg des Olympia USC Bayreuth nicht mehr verhindern. Mit dem Neuanfang der Brüder Steiner in der 2. Bundesliga gelang es, Calvin in der Wagnerstadt zu halten.

In der Folgezeit war Calvin Oldham maßgeblich am sportlichen Höhenflug seiner Mannschaft beteiligt. Insgesamt viermal stand er in Endspielen um den DDB-Pokal, welche 1988 und 1989 zweimal hintereinander erfolgreich mit einem nationalen Titel gekrönt werden konnten. 1987/88 nur Dritter der Meisterschaft gelang es 1988/89 den ersten und bisher einzigen Meisterschaftstitel nach Bayreuth zu holen. In der nachfolgenden Saison wurde man immerhin noch Vizemeister. Nach Georg Kämpf (6483) erzielte Calvin Oldham (4512) die meisten Punkte für ein Bayreuther Team und ist damit nicht nur Bayreuths dienstältester sondern bisher auch erfolgreichster Amerikaner.

Aber Calvin war nicht nur als Spieler ein effektiver, mannschaftsdienlicher und zuverlässiger Akteur, auch als Trainer war er an bedeutsamen Erfolgen von Bayreuther Mannschaften maßgeblich beteiligt. Nach dem finanziell bedingten Ausscheiden von Les Habegger als Headcoach wurde Co-Trainer Oldham Ende November 1995 neuer hauptverantwortlicher Trainer. Höhepunkt seines zweieinhalbjährigen Engagements bei Steiner und Basket Bayreuth war sicherlich der dritte Platz in der Bundesliga-Hauptrunde und das Erreichen des Halbfinales um die Deutsche Basketballmeisterschaft nach sieben wahren Basketballkrimis gegen Brandt Hagen mit dem glücklicheren Ende für das Bayreuther Team.

Ab der Saison 1988/89 konnten zwei Ausländer eingesetzt werden. Neben Flügel- und Centerspieler Calvin Oldham wurde als weiterer US-Boy der Guard Alvin „Bo“ Dukes verpflichtet. Der neue „Wirbelwind“ in den Bayreuther Farben sorgte aufgrund seiner technischen Fähigkeiten von Anfang an für Furore. Seine für Basketballverhältnisse nur bescheidenen 1,68 m Körpergröße glich er durch enorme Schnelligkeit aus. Neben seinen Qualitäten als Distanzwerfer zeichnete er sich durch ein hervorragendes Ballgefühl und gutes Auge für die Mitspieler aus. Zahlreiche Ballgewinne mit schnellen verdeckten und (nicht nur für den Gegner) überraschenden Pässen wurden bald zum Markenzeichen seiner spektakulären Spielweise. Seiner  Übersicht und Spielintelligenz war es zu verdanken, dass Bayreuth spielerische Überlegenheit auf dem Feld entwickeln konnte und schnell vorgetragene Systemangriffe den Gegner durcheinander wirbelten. Dabei ließ „Bo“ seine in der Regel deutlich größeren Gegenspieler oft „alt aussehen“. Für die Zuschauer waren Bo Dukes und seine auffällige Spielweise die Attraktion, welche überall die Hallen füllte und auch Basketballneulinge förmlich von den Sitzen riss. Auch am Ende seiner zweiten erfolgreichen Spielzeit baten die Fans ihren Publikumsliebling auf großen Spruchbändern „Bo – bleib do“.

Da es 1989/90 jedoch „nur“ zur Vizemeisterschaft reichte und die Experten zu der Auffassung gelangten, die „Ein-Mann-Show“ des Alvin „Bo“ Dukes habe dem Mannschaftsspiel eher geschadet als genützt, entschieden sich die Vereinsverantwortlichen 1990/91 für einen Neuanfang. Neben dem künftigen Trainer Murray Arnold und Nationalspieler Kai Nürnberger als neuem Aufbauspieler wurden als neue Amerikaner die Europa-Neulinge Michael Curry und Scott Bailey präsentiert.

Michael Curry, ein 1,96 m großer Flügelspieler und Linkshänder aus Georgia glänzte in seiner einzigen Bayreuther Saison zwar mit spektakulären einhändigen Dunkings, zeigte andererseits in den entscheidenden Situationen enger Spiele oft auch Schwächen. So mangelte es dem damals noch jungen Spieler mitunter an der notwendigen Sicherheit und Beständigkeit, um als Führungsspieler die entscheidenden Akzente in hochklassigen Partien setzen zu können. Obwohl damals nicht unbedingt absehbar, kann Michael Curry inzwischen auf eine langjährige erfolgreiche Profikarriere in der NBA zurückblicken, wo er unter anderem für Detroit und Milwaukee auf Korbjagd ging.

Nach einem Saison-Fehlstart mit mäßigen Leistungen und mehreren Niederlagen hintereinander folgte in der Saison 1990/91 sehr schnell ein Wechsel auf der Trainerposition. Für Murray Arnold kam Dan Palmer und neben Anthony Reuss wurde auch „Alleinunterhalter“ und Publikumsliebling „Bo“ Dukes wieder zurückgeholt. Opfer dieser Personalpolitik wurde Scott Bailey, der als beständiger Punktesammler und kampfstarker Rebounder zu Beginn der Saison ins Team gekommen war und nun aufgrund der Verpflichtung von Bo Dukes nach nur 8 Pflichtspielen ins Bundesliga-Abseits geriet. Bailey kam regelmäßig nur noch in den restlichen Europapokalpartien zum Einsatz, da „Bo“ erst nach der Meldung des Aufgebots für diesen Wettbewerb verpflichtet wurde und somit nicht spielberechtigt war.

Insgesamt wurde nach einem verkorkstem Auftakt der Saison 1990/91 und vielen Veränderungen in der Mannschaft und auf der Trainerposition doch noch das Halbfinale der Play-Off-Runde erreicht. Hier unterlag man jedoch gegen Leverkusen sang- und klanglos, so dass Konsequenzen für die neue Saison 1991/92 absehbar waren und sich das Personalkarussell erneut zu drehen begann.

Als neue Amerikaner wurden zunächst Derrick Taylor und Joe Anderson der Öffentlichkeit vorgestellt.

Obwohl die Vertragsverhandlungen bereits abgeschlossen waren, versuchte Joe Anderson zu Beginn der Punkteserie noch unberechtigte Nachforderungen zu stellen, was die Vereinsführung prompt mit einem „Rausschmiss“ quittierte. Als Ersatz für ihn wurde kein Amerikaner, sondern der damals erst 19jährige Kroate Vladimir Krstic verpflichtet, der aber schnell zum Publikumsliebling avancierte, obwohl er häufig auf der Bank saß und somit eine wertvolle Ausländerstelle blockierte.

Derrick Taylor jedoch blieb und wurde in den folgenden mehr als fünf Jahren Herz, Kopf und Seele einer wieder erstarkenden Bayreuther Mannschaft. Der 1, 83 m große, aus Louisiana stammende Guard spielte mit Unterbrechungen insgesamt 13 Jahre in der Basketball-Bundesliga, wo er mehr als 5000 Punkte erzielte. Als mittlerweile ältester Spieler der Bundesliga konnte er seine herausragende Karriere 2004/05 mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit Bamberg krönen. Schon während seiner Bayreuther Zeit zählte er zu den besten Dribbelkünstlern, beständigsten Punktesammlern und Freiwurfspezialisten der Bundesliga. In der Korbschützenliste war er stets mit an vorderer Stelle zu finden. Seine 1992 im Spiel gegen Bamberg erzielten 44 Punkte sind für Bayreuths Spitzenbasketball immer noch eine Rekordmarke! Als Sportler des Jahres der Stadt Bayreuth 1993/94 wurde ihm eine besondere Ehre zuteil.

Allerdings warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück. Seine Handverletzung (1993/94) und Knieoperation (1994/95) sorgten für längere Ausfälle, welche die Mannschaft nicht ohne weiteres kompensieren konnte. Hierbei zeigte sich, wie unverzichtbar der amerikanische Spielmacher tatsächlich war. Anfang 1996 heiratete Derrick Taylor die Tochter von Steiner-Manager Manfred Hauser und erhielt ein halbes Jahr später die deutsche Staatsbürgerschaft.

Mit Derrick Taylor als deutschem Spieler und zwei neuen Amerikanern hoffte das Steiner-Team nach dem sensationellen Erreichen des Play-Off-Halbfinales 1995/96 in der Zukunft wieder ein Wörtchen in der Meisterschaft mitreden zu können. Doch das Gegenteil war der Fall. Derrick Taylor konnte nach seinem plötzlichen Weggang im November 1996 nach Italien nicht adäquat ersetzt werden. Eine schleichende Entwicklung begann, die (mit finanziellen Konsequenzen verbunden) schlussendlich für längere Zeit in der 2. Bundesliga enden sollte.

Heute ist der frühere Leistungsträger beim BBC Bayreuth nicht nur als erfolgreicher Trainer der U 14 und Koordinator in der Nachwuchsarbeit ein wichtiges Vorbild für die Jugend, sondern aufgrund seiner langjährigen Erfahrung auch ein wertvoller Ratgeber für Trainerstab und Mannschaft.

Doch zurück zur Chronologie der Ereignisse: Nach einer verkorksten Saison 1991/92, die mit dem Abstieg in die 2. Bundesliga endete, konnte der überragende Derrick Taylor in der Wagnerstadt gehalten werden. Nachdem der sofortige Wiederaufstieg geschafft war, stand eine zweite Ausländerstelle zur Verfügung. Man verstärkte sich mit dem 1,94 m großen Eric Cooper, der vom Slowenischen Meister Olimpija Ljubljana an den Roten Main wechselte.

Bezeichnend war, dass statt des damals üblichen US-Duos auf der Aufbau- und der Centerposition mit Taylor und Cooper zwei „kleine“ Amerikaner eingesetzt wurden, die von großen deutschen Centerspielern (Becker, Nees, Suhr) ergänzt wurden. Dieses „freche“ Bayreuther System sorgte  in der Saison 1993/94 durchaus für Furore. Mit herausragenden Einzelleistungen und mannschaftlicher Geschlossenheit wurde die Tabellenführung in der Bundesliga Gruppe Süd über lange Zeit verteidigt.

Nach einer Knieoperation fiel Cooper für den Rest der Saison aus. Als Ersatzmann wurde letztendlich nicht der schon als Neuzugang präsentierte Europa-Neuling William Davis, sondern Steven Key präsentiert. Der Ex-Tübinger führte sich gleich mit bemerkenswerten Aktionen in das Mannschaftsgefüge ein. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Derrick Taylor konnte Steven Key in der Rolle des Stellvertreters auf der Spielmacher-Position durchaus überzeugen, dennoch wurden entscheidende Spiele nicht gewonnen. 2002 geriet Steven Key nochmals in die Schlagzeilen, als er in Frankreich in einen Passfälscher-Skandal verwickelt war und ihm eine lebenslange Sperre drohte.

In den folgenden Spielzeiten 1994/95 und 1995/96  wurde das erfolgreiche System mit zwei eher kleineren Amerikanern fortgesetzt. Neben Derrick Taylor wurde der zweikampfstarke Richard Morton verpflichtet. Der 1,95 m große Flügelspieler spielte sehr effektiv und avancierte oft zum Matchwinner. Er war in seinen beiden Bayreuther Spielzeiten erfolgreichster Korbjäger und wie Taylor ein ausgezeichneter Dreierschütze. Das US-Duo Taylor/Morton war 1995/96 nach sieben Basketballkrimis gegen Hagen maßgeblich am Erreichen des Play-Off-Halbfinales gegen Berlin beteiligt. Vermutlich aus finanziellen Gründen wechselte Morton später zu Tatami Rhöndorf, wo er unter Trainer Schneeman zusammen mit den Ex-Bayreuthern Steven Key und Björn Meyer-Schomann tätig war und gegen seine ehemaligen Mannschaftskollegen (leider) wiederholt erfolgreiche Spiele ablieferte.

Als sich Ende 1994 der Verdacht auf Kreuzbandriss bestätigte und Derrick Taylor am Knie operiert werden musste, verpflichteten die Steiner-Verantwortlichen als Ersatz kurzfristig Everette Stephens, einen 1,87 m großen Playmaker aus Illinois, der kurz zuvor in Australien erfolgreich gespielt hatte. Bis zum Saisonende vertrat Stephens den verletzten Derrick Taylor recht ordentlich und hinterließ mit guten Szenen und sicherem Schuss einen insgesamt positiven Gesamteindruck. Allerdings konnte auch er nicht verhindern, dass Bayreuth bereits im Play-Off-Viertelfinale gegen Alba Berlin scheiterte.

Nach dem positiven Abschneiden der Mannschaft im Folgejahr mit dem Vordringen ins Halbfinale der Play-Offs und der zwischenzeitlichen Einbürgerung von Derrick Taylor hoffte man auf eine weitere Steigerung in der Spielzeit 1996/97. Als Wunschspieler wurden die beiden Amerikaner Tony Dorsey und Rodney Blake verpflichtet.

Der wuchtige Flügelspieler und 2 m-Mann Tony Dorsey kam aus England, wo er 1995/96 zum wertvollsten Spieler des Jahres gewählt wurde.  Obwohl seine Vielseitigkeit als Punktesammler, Rebounder und Spielgestalter allgemein anerkannt war und er häufig mit spektakulären Dunkings glänzte, konnte er jedoch in Bayreuth nie recht Fuß fassen und kehrte schon nach wenigen Monaten aus persönlichen Gründen in die englische Liga zurück.

Nach dem Weggang von Tim Nees und Marc Suhr wurde Rodney Blake verpflichtet, ein bulliger Center und Zwei-Meter-Riese, der einige Jahre zuvor schon bei Galatasaray Köln gespielt hatte und nach Gastspielen in Zypern, Belgien und Finnland zum zweiten Mal in Deutschland war. Der Brettcenter sollte bei den Gegnern für Respekt unter dem Korb sorgen und seine Stärken im Rebound und in der Defensivarbeit ausspielen, was ihm auch größtenteils gelang. Am Ende der Saison belegte er Platz 8 bei den erfolgreichsten Reboundern und Platz 7 bei den Schussblockern. Dennoch war er nur ein Jahr für Steiner Bayreuth im Einsatz und wurde im folgenden Spieljahr durch Thalamus McGhee ersetzt.

Als Ersatz für Tony Dorsey nach dessen Rückkehr nach England gab Roney Eford in der Saison 1996/97 ein erstes Gastspiel, das aber bereits nach 5 Punktspielen im Steiner-Trikot schon wieder beendet war. Nach einer Auseinandersetzung mit einem Schiedsrichter beim Derby in Bamberg wurde er gesperrt. Wegen der wenig später in der Relegation ohnehin notwendigen Reduzierung auf einen Amerikaner wurde er den Rest der Saison nicht mehr berücksichtigt und wechselte kurzfristig nach Island.

In der Saison 1997/98 gehörte Roney Eford erneut zu den Leistungsträgern, wurde aber nach dem 22. Spieltag nicht mehr eingesetzt und wechselte daraufhin in die Schweiz. Die vier verbleibenden Pflichtspielen der Hauptrunde bestritt Robert Feaster, der unmittelbar vor Transferschluss als dritter Amerikaner auf die Spielerliste gesetzt wurde, um in einem Ernstfall nicht völlig unvorbereitet zu sein. In der Relegationsrunde, in der nur ein Amerikaner eingesetzt werden durfte, entschied sich Coach Oldham jedoch für Thalamus McGhee.

Thalamus McGhee, ein 2,04 m großer Center-Hüne, kam 1997/98 von der University of Alabama zu Basket Bayreuth. Der Europa-Neuling wirkte zwar noch bulliger als sein Vorgänger Rodney Blake, er bewegte sich aber trotz seines kräftigen Körperbaus recht beachtlich auf engem Raum. Zwei Spielzeiten zählte er vor allem mit seiner Reboundstärke zu den Leistungsträgern seines Teams, was jedoch die zunehmende Talfahrt und den Abstieg 1998/99 aus der Bundesliga nicht verhindern konnte.

Als zweiter Amerikaner neben Thalamus McGhee erhielt 1998/99 Rodney Newsom nach erfolgreichem Probetraining den Vorzug vor seinem Landsmann Kevin Owens. Da er in den ersten Begegnungen der neuen Bundesligasaison jedoch wiederholt enttäuschte und zudem unentschuldigt beim Training fehlte, trennte man sich schon nach nur vier Wochen wieder von ihm.

Als Ersatz wurde nur einen Monat später Bryan Crabtree präsentiert, ein engagierter und beweglicher 2 m-Mann mit guter Feldwurfquote, der vom tschechischen Meister Opava kam und dort zum besten Verteidiger der Liga gekürt wurde. Der beständigste Punktesammler des Bayreuther Spiels wurde schon bald zum Hoffnungsträger für den so dringend benötigten spielerischen Aufschwung und ausstehenden Erfolg. Er verließ jedoch die Mannschaft schon nach zwei Monaten wieder als sein ehemaliger Verein ihn mit einem finanziell attraktiveren Angebot lockte.

Nach dem Abstieg aus der 1. Basketball-Bundesliga und dem freiwilligen Rückzug in die Regionalliga 1999/2000 war ein Neuaufbau erforderlich. Der neu gegründete BBC Bayreuth verpflichtete als ersten Amerikaner Tamari Thompson, einen mannschaftsdienlichen Flügelspieler, der als wieselflinker Verteidiger und exzellenter Skorer maßgeblichen Anteil am Aufstieg des BBC von der Regionalliga in die 2. Liga und am Klassenerhalt in der Saison 2000/01 hatte. Nach zwei erfolgreichen Jahren wurde Tamari Thompson in seinem letzten Heimspiel im Dress des BBC Bayreuth mit stehenden Ovationen verabschiedet.

Während seiner mehrwöchigen Verletzungspause aufgrund einer Adduktorenzerrung wurde Tamari Thompson von Michael J. King vertreten. Der 2 m große US-Amerikaner war vorher in China, Frankreich und Finnland tätig und wurde außerdem mexikanischer Meister mit Tampico Correcaminos. Als reboundstarker Spieler glänzte er mit einigen „Monsterblöcken“.

Als neuer Amerikaner wurde zu Beginn der Saison 2001/02 Michael Lake verpflichtet. Der vom Regionalligisten TSV Nördlingen kommende US-Boy hatte mit einer herausragenden Wurfquote von durchschnittlich 31 Zählern pro Spiel und davon vielen erfolgreichen 3-Punkte-Würfen auf sich aufmerksam gemacht. Mit durchschnittlich 22,10 Punkten wurde er in der laufenden Saison neben zwei Osteuropäern als bester Amerikaner Dritter der Korbschützenliste der 2. Bundesliga Süd. Als regelmäßig bester Korbjäger und Dreier-Schütze war Michael Lake maßgeblich an der Vizemeisterschaft 2001/2002 beteiligt. In zwei Spielen brachte er es auf jeweils 8 erfolgreiche Drei-Punkte-Würfe. Nach zwei erfolgreichen Spielzeiten in Bayreuth wechselte Michael Lake nach Kaiserslautern.

Zu Beginn der Saison 2003/04 wurde die frei gewordene Ausländerstelle durch Kanadas Spieler des Jahres Kyle Russell namhaft besetzt. Es war das erste und bisher einzige Mal, dass in einer Spielzeit kein US-Amerikaner zum Einsatz kam. Der Guard spielte zuletzt in Vancouver, der Heimat von Dominic Zimmermann, und war vorher schon in der amerikanischen College-Liga im Einsatz. Erstmalig führte sein Weg ihn nach Europa. Aufgrund eines Innenbandabrisses am Sprunggelenk bereits am 2. Spieltag fiel er 8 Wochen aus. Für sechs Spiele wurde er durch seinen Landsmann Rob Smart ersetzt, der allerdings maßlos enttäuschte. Ab Dezember 2003 konnte Kyle Russell wieder ins Spielgeschehen eingreifen, doch nach einem Bruch des Mittelfußknochens im März 2004 fiel er für den Rest der Saison aus. Mit Eric Butler, einem erfahrenen Allrounder und vor allem hervorragenden Verteidiger, wurde kurzfristig ein weiterer Kanadier (mit britischem Pass) verpflichtet, der die Mannschaft deutlich verstärkte und für einige gute Aktionen des „Canadian Express“ dieser Spielzeit sorgte.

Als Wunschkandidat im Spielaufbau wechselte der 1,83 m große LyRyan Russell  in der Saison 2004/05 vom TV Langen nach Bayreuth. Wegen einer Innenbandverletzung am Knie konnte er zu Saisonbeginn zunächst nicht eingesetzt werden, dann lief der quirlige Amerikaner aber zu Hochform auf und zeichnete sich als exzellenter Assistgeber und zuverlässiger Rebounder aus.

Nach langen Diskussionen um die Finanzierbarkeit eines zweiten Amerikaners für die Centerposition erhielt der aus Greensboro (Louisiana) stammende, 2,04 m große und kampfstarke Brandon Griffin zunächst nur einen Monatsvertrag. Aufgrund seiner Treffsicherheit und Reboundstärke wurde aus der provisorischen Besetzung jedoch eine Dauerlösung. Griffins Können und Willen zum Sieg führten in der Saison 2004/05 oft dazu, dass schon verloren geglaubte Spiele noch herumgerissen werden konnten. Nach einer Erfolgsserie von mehreren mit Nervenstärke und Glück auch  in der Overtime gewonnenen Spielen belegte die Mannschaft nicht zuletzt dank der beiden formstarken Amerikaner am Ende der Saison einen verdienten dritten Platz. Wie 2001/02 konnten 22 Siege aus 30 Ligaspielen erreicht werden.

Während Brandon Griffin dem Kader auch in der Folgesaison angehörte, trennte der Verein sich (unter nicht näher erläuterten Gründen) trotz eines bestehenden Zweijahresvertrages von LyRyan Russell.

Zu Beginn der Saison 2005/06 verpflichtete man auf der Spielmacherposition Quannas White, der mit großen Vorschusslorbeeren nach Bayreuth gekommen war. Der 1,87 m große Amerikaner hatte erfolgreich in der ersten französischen Liga und zuletzt in der US-Liga NBDL gespielt. Man erhoffte sich durch ihn einen Qualitätsgewinn im Spielaufbau, da er als wesentlich mannschaftsdienlicher als sein Vorgänger eingestuft wurde.  In ersten Testspielen hinterließ er einen guten Eindruck und zeichnete sich durch ein gutes Auge und hervorragende Spielauffassung aus. In den entscheidenden Partien konnte er jedoch überhaupt nicht überzeugen, so dass man nach einer erneuten Auswärtsniederlage zur Auffassung gelangte, sich nach nur 8 Pflichtspielen wieder von ihm zu trennen. Möglicherweise haben die Verwüstungen in seiner Heimatstadt New Orleans durch Hurrikan „Katrina“ und die Sorgen um seine im Krisengebiet lebende Familie sein Leistungsvermögen stark beeinträchtigt, so dass er in Bayreuth nie sein Können unter Beweis stellen konnte.  

Im Januar 2006 wechselte Chaz McCrommon, ein 1,97 m großer Flügelspieler, vom holländischen Erstligisten CH Den Helder an den Roten Main. Sein bisheriger Verein musste sich aus finanziellen Gründen aus der höchsten Spielklasse zurückziehen, was einen schnellen Wechsel des athletischen und „mit enormen Zug zum Korb“ ausgestatteten McCrommon nach Bayreuth ermöglichte. In zahlreichen Spielen avancierte er zum Topscorer und erzielte dabei viele seine Körbe auf spektakuläre Art und Weise.

Zu Beginn der Saison 2006/07 verließen Brandon Griffin und Chaz McCrommon in der Hoffnung auf lukrativere Angebote Bayreuth.

Als Ersatz für den nach sieben Jahren in seine Heimat zurückkehrenden Dominic Zimmermann wurde Ty Harrelson verpflichtet. Der 1,93 m große US-Boy aus Texas kam vom Zweitligarivalen TV Langen, bei dem er bereits seine Qualitäten als Spielgestalter unter Beweis stellen konnte. Neben der Fähigkeit seine Nebenleute glänzend in Szene zu setzen sucht er in wichtigen Situationen auch die eigene Wurfchance. Als Regisseur des BBC Bayreuth führte der aufgrund seiner wirbelnden Spielweise auch „Typhoon“ genannte Pointguard seine Mannschaft in der vergangenen Saison auf den dritten Tabellenplatz. Als bester Passgeber der Liga und hervorragender Skorer war er einer der Leistungsträger seines Teams. Bei den Zuschauern avancierte er zum Publikumsliebling und Sympathieträger. Von den Trainern, Teamkapitänen und Fans wurde Ty Harrelson darüber hinaus auf Platz 3 der wertvollsten Spieler der 2. Bundesliga Süd gewählt.

Ein weiterer Glücksgriff der Spielzeit 2006/07 war auch Kelly Golob, der zweite Amerikaner im Team, der von der Nothern Arizona University kam und zum ersten Mal in Deutschland spielte. Seine Spezialität sind Drei-Punkte-Würfe, die er mit einer Quote von fast 50 % verwandelt. In der zurückliegenden Saison wurde er mit 100 erfolgreichen Treffern bester Dreierschütze der 2. Bundesliga Süd. Aber auch als guter Verteidiger war er eine erhebliche Verstärkung für die Mannschaft. Aufgrund beruflicher Perspektiven entschied sich Kelly Golob nach einem erfolgreichen Jahr beim BBC Bayreuth für die Rückkehr in die USA.

Mit Ty Harrelson, Jaivon Harris, Brandon Chappell, Manny Messi und Dan Oppland standen fünf Amerikaner im Aufgebot des BBC Bayreuth der Saison 2007/08. Die Saison verlief entgegen der Planungen mit einigen Höhen und Tiefen, sodass am Ende - nach einem Trainerwechsel von Marco Amelow zu Derrick Taylor - die PRO A gehalten werden konnte. Ein Neuanfang in der kommenden Spielzeit stand bevor.

Der Umbruch trat auch ein: nur Jaivon Harris und Dan Oppland verblieben im BBC Kader, die weiteren Amerikaner wurden durch Whit-Holcomb Faye (FC Kaiserslautern), LaShon Sheffield (Nördlingen) sowie Gary Hamilton (Lich) verpflichtet. Mit Hilfe der US-Amerikaner und einem auch weiter verstärkten Team konnte der BBC im Kampf um den Aufstieg lange mithalten, verlor das entscheidende Spiel gegen den Konkurrenten aus Hagen unglücklich mit 66:67. Die Basketballeuphorie war jedoch längst zurückgekehrt, die "blaue Wand" war geboren.

In der Saison 2009/2010 steht der BBC erneut vor einem Umbruch. Bis auf Jaivon Harris verliesen alle Amerikaner den BBC, denn die neu beschlossene "2-Deutschen-Regel" verändert das Spiel. Als Neuzugänge wurden die beiden US-Amerikaner Edward Seward (vom Ligarivalen Cuxhaven) sowie Thomas Jackson (aus Schweden) verpflichtet.


Text: Dr. Peter-Michael Habermann





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